Geboren: am 19. Februar 1957 in Wien als Johann Hölzel“
Künstlername:: Falco - vom
DDR-Skispringer Falko Weißpflog „geliehen"
Anfänge: Kurzer Besuch des
Wiener Musikkonservatoriums. Spielte ab 1979 bei der
Wiener
Musikernachwuchsschmiede „Hallucination Company“ den Bass.
1980 engagierte ihn
Drahdiwaberl Boß Stefan Weber.
Vorbild: David Bowies Spiel
mit schillernden künstlichen Identitäten leitete den jungen Hans Hölzel, als er
Anfang der 80erJahre den exaltierten Popstar „Falco" erfand.
Erste Hits: Der erste,
kleine Erfolg - der Song „Ganz Wien", Falcos Solonummer in den
Drahdiwaberl-Konzerten. Die erste eigene Single „Der Kommissar", der erste
deutschsprachige Rap, verkaufte sich weltweit über siebenmillionenmal. Falco:
"Drah di net um, der Kommissar geht um!“
Was an dieser Zeile so genial sein soll, ist mir bis heute ein
Rätsel."
Größter Hit: 1985 rappte
sich der Falke mit „Rock Me Amadeus" an die Spitze aller Hitparaden, sogar
auf Platz 1 der US-Charts.
Noch mehr Hits:„Vienna Calling" (1985) „Jeanny“(1985),
dessen Vergewaltigungsstory für einen Riesenskandal sorgte, „The Sound Of
Musik" (1986), "Wiener Blut" (1988).
Größter Flop: Fatalerweise
sein künstlerisch ambitioniertestes und bestes Album „Junge Römer"
(1984)
Absturz. In den späten 80er
Jahren ging es mit Falco steil bergab: parallel zur kreativen und kommerziellen
Krise kämpfte er mit Drogen- und Alkoholproblemen. Falco: „Wenn der Erfolg
schneller wächst als die Seele, hat man ein Problem."
Letzte Hits: „Titanic"
(1992) und die unter dem Decknamen T>>MA produzierte Techno-Nummer
„Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" (1996).
Exil: Da er sich in seiner
Heimat zunehmend unwohler fühlte, verlegte er vor zwei Jahren seinen Wohnsitz
in die Dominikanische Republik.
Tod: Dort starb Falco am 6
Februar bei einem Autounfall.
Abgesang: In den letzten
beiden Jahren hat Falco intensiv - seine Suchtprobleme hatte er anscheinend
wieder unter Kontrolle - an seinem neuen Album „Out Of The Dark"
gearbeitet, das posthum im März'98 erscheinen wird.
Ewigkeit: Am Samstag, dem
14.Februar '98, wurde Falco am Wiener Zentralfriedhof in einem von der Stadt
Wien ehrenhalber gewidmeten Grab zu den Klängen des 1985 von ihm gesungenen
Bob-Dylan-Songs „It's All Over Now, Baby Blue" beigesetzt.
Falcos brillantes Debüt, das im biederen Österreich
wie ein Meteorit aus einem anderen Sonnensystem einschlug: Falco calling - live
vom Planeten Pop. Die gnadenlose Wiener-Szene-Verarsche "Ganz Wien"
nahm er noch von seinem Bassisten-Job bei Stefan Webers Drahdiwaberl mit für deren LiveShow er den Song
ursprünglich geschrieben hatte. Mit „Der Kommissar" erfand Falco den
:deutschsprachigen Rap. Auf der Flucht", „Zuviel Hitze", „Siebzehn
Jahr" und "Maschine brennt" sind weitere bis heute grandios
klingende Tracks. Falco: "Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe, aber es
ist mir gelungen." Dem Falken eine groBe Hilfe: Robert Ponger, der zu
Falcos ultracoolem Sprechgesang einen kongenialen Electro-Pop - Sound produzierte.
Falco korrekt: „Meine Musik ist ein wienerisches Potpourri aus Postmoderne, aus
HipHop, Rap und Rock.
Falco, die Zweite: Ein
musikalisches und popkulturelles Meisterwerk, das den Zeitgeist gleichzeitig
aufsog, widerspiegelte und prägte. Im Mittelpunkt Falco: als aalplatter, bis an
die Schmerzgrenze arroganter, supercooler, dekadenter Großstadtwolf. Die Musik:
piekfeiner, hochmoderner, höllisch kühl groovender, von Robert Ponger so sehr
hochglanzpolierter Electro-Pop, daß man beim Hören Sonnenbrillen tragen musste.
Der Titeltrack: eine unverhohlene Verbeugung vor seinem großen Vorbild David
Bowie und dessen Hit „Let's Dance" Der Rest acht weitere, großartige
Pop-(Art)-Stücke mit gigantischem Hitpotential:„Tut-Ench-Amun", "Brillantin'Brutal",
„lhreTochter", „No Answer", „Nur Mit Dir", „Hoch wie nie"
etc. haben bis heute nichts von ihrem Glanz und ihrer Strahlkraft eingebüßt.
Allein, es sollte nicht sein: „Junge Römer" floppte gnadenlos. Soviel zu
mangelndem Pop-Bewusstsein und Geschmack der österreichischen Nation. Übrigens:
dieselben „Kollegen", die Falco jetzt medienwirksam gerührt nachtrauern,
kommentierten den schnellen kommerziellen Absturz des frechen, unbequemen
Newcomers voller Schadenfreude. Falco: „Junge Römer' war wirtschaftlich ein
Mörderflop." Und doch: eine bessere Pop-Platte ist hierzulande noch nicht
produziert worden. Maximaler Respekt in alle Ewigkeit.
Mehr pompöser Rock denn
cooler Electro-Pop: Der Wechsel zum holländischen Produzententeam Rob und Ferdi
Bolland und der daraus resultierende neue, bewusst auf Erfolg und
Massenverträglichkeit getrimmte FalkenSound führte zum Ziel: „Rock Me
Amadeus" stürmte die Hitparaden rund um den Globus. Sogar in Amerika rangierte
der Hans Hölzel aus Wien vier Wochen auf dem ersten Platz der Charts. Falco:
"Das schaff' ich nie wieder." Weitere Riesenhits: "Vienna
Calling" und das skandalumwitterte
Lolita-Sex-Vergewaltigungsdrama „Jeanny", das Falco in der Folge zu
mehreren Fortsetzungen animierte. Falco, die Dritte: Der
angestrebte große Erfolg, künstlerisch jedoch ein Abstieg.
Makaber: am Ende singt der
Falke Bob Dylans „lt's All Over, Now Baby Blue", das am 14. Februar 1998
am Wiener Zentralfriedhof ertönte, als Falcos Sarg ins Grab gelassen wurde.
Der Falke, ein Mann „mit
einem Herz wie ein Löwe: „Emotional", der Titelsong von Falcos Vierter,
zählt zu seinen allerbesten Nummern. Absolut groß. Überhaupt steht Falco der mehr
auf Soul- und Rhythm&Blues-Mustern basierende „Emotional "- Sound
wesentlich besser als der Bombastrock der Dritten. An den Reglern wieder: die
Gebrüder Bolland, die also auch anders können. Grandioser Pop: „The Star Of
Moon And Sun" und das wieder geschickt mit Österreich-Klischees spielende,
superfunkige „The Sound Of Music", das eigentlich um vieles besser ist als
„Rock Me Amadeus" Ironie des Schicksals: Obwohl „Emotional" ein gutes
Album ist, floppt es an der Kasse völlig. Falco: „Sagen wir, ich bin nicht
besonders pflegeleicht, nicht besonders gefällig. Infolgedessen wird mir immer
nur ein kleineres Segment als dem Musikantenstadl zur Verfügung stehen."
Falco am Ende? Des Falken
Fünfte ist ein lauer, über weite Strecken praktisch
unhörbarer Aufguss vergangener
Großtaten. Der Künstler strapaziert das „Genie und Wahnsinn“ -Klischee bis an
die Grenze des Erträglichen, das Pendel schlägt überdeutlich in Richtung
Wahnsinn aus. Beeinflusst wahrscheinlich von Falcos immer heftigeren privaten
Turbulenzen und Krisen. Falco: „Ich halte mich für einen typischen Wiener:
zwischen Größenwahn und Depression."
Des Falken Sechste. Versöhnt und
wiedervereint mit Produzent Robert Ponger versucht er, ein zeitgemäßes Update
von "Junge Römer"" zu fertigen;. Allein, die 80er Jahre sind
vorbei. Der Titel des Openers scheint Programm: „Neo Nothing - Post Of
All" Und doch gebührt dem „Data De Groove" - Projekt Respekt. Es ist
ein ambitioniertes, künstlerisch bemühtes Unterfangen. Ein wackerer Versuch,
sich nicht ein weiteres Mal nur selbst zu parodieren Falco: „Ich glaube, dass
Popmusik die Leute zuallererst einmal unterhalten aber doch bitte nicht verblöden sollte."
Fast schon tragisch: Passable ' Songs wie „Expocityvisions", „Charisma
Kommando", „Alles im Liegen" und I der Titelsong sind letztlich zum
Scheitern verurteilt - weil es halt schon „Junge Römer" gibt. Merke: Nicht nur das Leben, auch der Pop ist
grausam. Nichtsdestotrotz hätte sich „Data De Groove" bessere
Verkaufszahlen und weniger Kollegen und
Kritiker-Häme verdient.
Kaum kehrt Falco zum
Produzentenbrüderpaar Bolland und Bolland und zur „Rock Me Amadeus" -
Formel zurück, schafft er wieder einen veritabler, Hit: „Titanic", mit dem
er wahrscheinlich sechs Jahre zu früh dran war. Und auch sonst versucht der
Falke ein letztes Mal, an seine großen Zeiten und größten Hits anzuschließen.
Das Resultat: typischer Falco, ein wenig verkrampft allerdings und zu sehr auf den Erfolg hin kalkuliert,
der schließlich doch ausbleiben sollte.
Falco: "Ich glaube, dass ,Nachtflug' schon ein würdiger Abschluss und
Rückblick auf die letzten zehn Jahre und auch ein Tribut an die letzten zehn
Jahre war, denn die schlechtesten waren sie ja nicht. .