MUSICAL

 

Amerikanische Form des Musiktheaters, bietet Ergänzung und Weiterführung zu Oper und Operette.

 

WERKE:

My Fair Lady, Hello Dolly, West Side Story, Cabaret, Hair, Jesus Christ Superstar, Cats, Anatevka (Fiddler on the Roof), Evita, Show boat, Kiss me Kate, Annie get your gun, The king and I, Can-Can, La Mancha,

KOMPONISTEN:

Leonard Bernstein, Andrew Lloyd Webber, Richard Rodgers, Cole Porter, Irving Berlin, Frederik Loewe, Jerome Kern

ZWECK:

Unterhaltung durch Schauspiel, Musik, Tanz, Kostüme, Lichteffekte, Bühnenbild ....

INHALTE:

unterschiedlichste Themen. Vom Kitsch („Sounds of Music“...Klischeehaftes Österreichbild)

über Liebes- und Verwechslungsgeschichten, Inhalte nach Klassikervorbild (Kiss me Kate = nach Shakespeare ), über politische Inhalte („West Side Story“ ... Rassenkämpfe, oder Hair .... Vietnamkrieg) bis zur Religion („J.Ch.Superstar“).

MUSIK:

sämtliche Stilrichtungen vom Klassizismus über Schlagermelodien bis Moderne, Rock, Jazzstile, Beat ....

SHOW:

spielt große Rolle, ist jeweiligen Modeströmungen unterworfen bzw. den technischen und finanziellen Möglichkeiten.

Wichtig sind KOSTÜME (Cats),

TANZ, BÜHNENBILD, ("Starlight Express") BELEUCHTUNG und EFFEKTE (Nebel, Wasser etc.)

Geschichte / Entwicklung:

Musical [engl. mju:zikal; Kurzform für musical comedy >musikal. Komödie< oder musical play >musikal. Spiel<], musikalisch-theatral.. Mischgattung aus Sprechdrama, Operette, Revue und Variete in besetzungsmäßig freier Form, bestehend aus Liedern, Songs, Tanz-, Jazz,-, Unterhaltungsmusik und Ballett, die in eine meist zweiaktige Handlung integriert sind. Das am New Yorker Broadway beheimatete M. entstand nach 1900 aus der Assimilierung von amerikan.. Extravaganz, Burleske, Minstrel Show, Vaudeville und europ. Operette.

Trotz allen Anspruchs ist das M. mit seiner Neigung zum Aufwendigen und Sensationellen ein Kind des Showbusiness, das sich bei hohen Produktionskosten am Einspielgewinn orientiert und dessen Künstler.. Linie primär vom Produzenten bzw. vom Regisseur, weniger vom Komponisten, Buchautor, Songtexter oder Choreographen bestimmt wird.

 

DAS MUSICAL kann als die musikalische Antwort Amerikas auf die aus Europa importierte Operette angesehen werden. Es ist nicht möglich, den Begriff »Musical« präzise zu definieren, da sich das Genre ständig ändert und in einer möglichst harmonischen Synthese von Stoff, Text, Musik, Darstellung, Tanz und Ausstattung den jeweils aktuellen Trends der Zeit zu entsprechen sucht.

Aufführungspraxis:

Ein Musical läuft meist viele Monate, oft auch viele Jahre lang und fordert Spitzenleistungen von allen Mitwirkenden; Voraussetzungen dafür sind freilich auch ein entsprechendes Topmanagement sowie die perfekte Beherrschung des gesamten Theaterapparates. Showbusiness - das große Geschäft mit der Kunst - ist die Zauberformel, mit der die Bühnen am New Yorker Broadway die Menschen, nicht nur in den USA, seit mehr als hundert Jahren begeistern.

 

Die drei Bestandteile des Musicals sind: das Buch, das Libretto und die Musik.

Die wichtigste Voraussetzung zur Entstehung eines Musicals ist das Buch, das häufig einen historischen Stoff behandelt.

 

Der Produzent

hat die Aufgabe, Geldgeber zu finden, die das Vorhaben finanzieren er engagiert die Autoren für das Libretto und die Musik, die Stars und den Regisseur. Der Librettist hat die Aufgabe, das Buch „Musicalgerecht" zu überarbeiten. Er muss dabei berücksichtigen, was jedes Musical verlangt: Gefühl und Spannung, Humor, Liebesbeziehungen und ablenkende Nebenhandlungen.

 

Das gilt auch für den Komponisten. Die Melodien sollen so schmissig sein, dass sie zu Schlagern werden. Auch der Komponist muss sich an bestimmte Regeln halten, die für jedes Musical gelten: Es müssen bestimmte Lied- und Musikformen vorkommen, die für melodische und rhythmische Vielfalt sorgen.

 

Einige charakteristische Liedformen:

 

  • Der Song: Das ist der schon polierte Schlager, der sofort ins Ohr geht, den der Zuhörer mitsingen zu können glaubt. Inhaltlich ist er von geringer Bedeutung, weil in ihm nur zusätzlich illustriert wird, was bereits geschehen ist.

 

  • Die Ballade: Sie ist meistens ein inniges Liebeslied, in dem Heldin und/oder Held ihr Gefühl beschreiben, allein oder im Duett. Die Form der Ballade wird ebenfalls dann gewählt, wenn Heldin oder Held ein Selbstgespräch fuhren, um sich mit ihrem bisherigen Leben auseinanderzusetzen. Die Ballade ist auch ge Erzählen einer Geschichte.

 

  • Die Rhythmusnummer (Rhythm Song): Rhythmus signalisiert Dramatik. Mit dieser Form des Songs wird die Handlung vorangetrieben, sie gibt der Show neues Tempo.

 

  • Das komische Lied (Comedy Song): Der Comedy Song hat entspannende Funktion; er ist ein beliebtes Mittel, den Personen der Nebenhandlung etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es gibt zwei Formen des Comedy Songs - in der einen wird die Pointe sorgfältig vorbereitet, in der anderen geht es Schlag auf Schlag. Je nach Komik des Songs wird der Refrain so platziert, dass dem Publikum durch sein Lachen kein Witz entgeht.

 

  • Der nette Song (Charm Song): Er soll das Publikum verzaubern, soll handelnde Personen sympathischer werden lassen. Er ist trefflich geeignet, besonders wichtige Charakterzüge von Heldin und Held herauszustellen. Musik und Text sind geschickt ausbalanciert - sanft, optimistisch, gefällig, lieb.

 

  • Die musikalische Szene (Musical Scene): Eine solche Sequenz, die je nach Stuck dramatisch, komisch, Iyrisch oder poetisch sein kann, ist das f Herzstück eines Musicals. Über einen längeren Zeitraum wird die Handlung weitergeführt, fast opernhaft. In f früheren Zeiten war die Musical Szene fast ausschließlich Aktschlüssen vorbehalten.

 

Das Musical, eine uns als Import aus den Vereinigten Staaten und zuletzt auch aus England- bekannt gewordene Gattung des Musiktheaters, ist in seinen ursprünglichen Schöpfungen stark geprägt von den kulturellen, politischen und sozialen Verhältnissen in den USA, nicht zuletzt von ihren Einwanderern und deren Traditionen. Auch stellt es mit seiner einzigartigen Fähigkeit, eine Vielzahl von Bühnenpräsentationen in sich zu vereinen, eine Sonderform des Unterhaltungstheaters dar, lässt sich deshalb schwer mit unserem nach Gesangs-, Tanz- und Sprechtheater getrennten System vergleichen, schon gar nicht darin einordnen.

 

Im Gegensatz zu den uns vertrauten Usancen wird für eine Musical-Produktion gewöhnlich ein Theater eigens gemietet und ein Ensemble individuell zusammengestellt. Die vielfältigen Anforderungen an die Darsteller setzen eine Universalausbildung in Gesang, Tanz, Schauspiel usw. unbedingt voraus. E-und U-Musik können nach Bedarf verwendet und gemischt werden. Es besteht deshalb u. a. auch eine größere Vielfalt in der Orchestrierung: Die gesamte Familie der Saxophone, elektronische Instrumente und Schlaginstrumente, Gitarre, Mandoline, Banjo, Mundharmonika und viele weitere unkonventionelle Instrumente finden im Musical-Orchester Verwendung.

 

Entstanden ist das Musical aus ganz verschiedenartigen Typen der Bühnenhow, wie sie nur das amerikanisch-angelsächsische Theater kennt. Zu nennen wären die Afterpieces des Sprechtheaters, die englische Ballad Opera, Tom and Jerry Shows, Pantomime, Burleske, Minstrel, Zirkus, Extravaganza, Burly Show, Vaudeville und Music Hall, Farce Comedy, Melodrama, Revue usw., selbstverständlich auch Oper und Operette. Dabei spielte die Einwirkung der englischen Theaterkultur nur in der Vorentwicklung des Musicals bis 1914 eine wesentliche Rolle, danach bildete es sich in Amerika selbständig aus, von der Jazz- und Dance-Craze-Welle geprägt und nicht unbeeinflusst vom Filmmusical Hollywoods.

 

Das Neue, das daraus entstand, ist am. New Yorker.Broadway geschaffen worden. Mit ihm und dem Londoner West End, dessen Produktionen seit etwa 1960 wieder Anschluss an das Broadway-Musical fanden, ohne jedoch im Gesamtrepertoire mehr als nur einen kleinen Teil auszumachen, ist es bis heute eng verbunden. Die »Machart« der West-End-Musicals ist übrigens dieselbe: selten als fertige Vorlage »inszeniert«, meist von einem Team »gemacht«.

 

 

 

 

Fachbegriffe:

 

Drums: Sammelbegriff für den von einem Schlagzeuger bedienten Drum Set, bestehend aus Großer und Kleiner Trommel, Tom-Toms, Becken, Holzblock, Kuhglocke usw. Wurde aus dem Ragtime- und Jazzinstrumentarium schon um 1900 entwickelt.

Entr'acte: Im »klassischen« Bereich ein musikalischer Zwischenakt, ähnlich dem italienischen Intermezzo. Im Musical das Vorspiel zu einem nachfolgenden Akt, das die Hauptmelodien in einer Art zweiter Ouvertüre bringt.

 

Finale: Im Musical oft etwas irritierend verwendeter Begriff. Es kann am Ende des 1. Akts ein komponiertes »Finale I« stehen am Ende des 2. Akts kein »Finale II« und doch am Ende des 3. Akts ein »Finale III«. Ebenso kann der 2. Akt ein »Finale II« haben, ohne daß im 1. Akt ein »Finale I« vorausgegangen wäre Die Ziffern bezeichnen eben einfach den Akt, den das Finale beschließt. Ein Akt kann aber auch im Dialog enden. Wir haben im Führer die Angaben vereinheitlicht.

Opening: Vor allem zwischen ca. 1900 und 1950 übliche Bezeichnung der Eröffnungsnummer, mit Tanz und Gesang.

Previews: In Großbritannien und den USA Voraufführungen von Musicals vor der Premiere im gleichen Haus. (Vgl. Tryouts. )

Reprise: Wiederholung einer musikalischen Nummer, ganz oder verkürzt. Die Wiederholung einer Nummer mit neuem Text und Arrangement bezeichnen die Komponisten oft als »neue Nummer«.

Soft Shoe: Steptanz (Tap Dance) mit Schuhen ohne Taps, d. h. Step-Platten, also lautlos. Etwas einfacher als Step, dient meist zur Auflockerung einer Szene.

Specialty Number, Specialty Dance: Etwa von 1910 bis 1940 war es Mode, ein Solo oder Duo von Star-Tänzern oder -Komikern als Einlage in das Musical einzubauen. Eine Specialty Number konnte auch für Hauptfiguren des Stücks geschrieben werden.

Tony Award: Alljährliche Auszeichnung für die »besten« Leistungen in Musical-- oder Schauspielproduktionen am Broadway, ähnlich dem Film-Oscar. Benannt nach Antoinette Perry (1888-1946), einer Schauspielerin und Regisseurin, die Vorsitzende des American Theatre Wings war. Der »Tony« wird seit 1947 von einem Gremium, dem rund 560 Theaterleute und Kritiker angehören, für Darstellung, Buch, Komposition, Regie, Choreographie, Kostüm, Lighting Design usw. verliehen.

Tryouts: Voraufführungen, wie die Previews, jedoch außerhalb von New York und London. Dabei werden die Songs und Dialoge, auch die Besetzungen, getestet und je nach Publikumsreaktion bearbeitet- mit dem Risiko, daß das Stück noch vor seiner eigentlichen Premiere abgesetzt werden muß. Die Zahl der Previews ist abhängig vom finanziellen Atem der Produzenten; seit etwa 1970 sind sie, der steigenden Kosten wegen, selten geworden.

 

MUSICALS, in chronologischer Folge:

 

No, No, Nanette                           

1919   

Vincent Youmans

 

Lady Be Good                                

1924

George Gershwin

 

Show Boat                                  

1927

Jerome Kern

 

Anything Goes                                

1934

Cole Porter

 

Oklahoma!                                   

1943

Richard Rodgers

 

Carousel                                    

1945

Richard Rodgers

 

Annie Get Your Gun                      

1946

Irving Berlin

 

Kiss Me, Kate                               

1948

Cole Porter

 

Feuerwerk                                  

1950

Paul Burkhard

 

Guys And Dolls                            

1950

Frank Loesser

 

The King And I                               

1951

Richard Rodgers

 

Can-Can                                     

1953

Cole Porter

 

Peter Pan                                      

1954

Mark Charlap/ Jule Styne

 

Fanny                                                

1954

Harld Rome

 

Silk Stockings                           

1955

Cole Porter

 

My Fair Lady                              

1956

Frederick Loewe

 

Irma La Douce                            

1956

Marguerite Monnot

 

Candide                                  

1956

Leonard Bernstein

 

West Side Story                      

1957

Leonard Bernstein

America   Maria 

Madame Scandaleuse                   

1958

Peter Kreuder

 

Gypsy                                    

1959

Jule Styne

 

The Sound Of Music                 

1959

Richard Rodgers

 

Camelot                              

1960

Frederick Loewe

 

A Funny Thing Happened           

1962

Stephen Sondheim

 

Hello, Dolly!                      

1964

Jerry Herman

 

Funny Girl                                 

1964

Jule Styne

 People

Fiddler On The Roof                       

1964

Jerry Bock

 If I were a rich man

Mein Freund Bunbury                  

1964

Gerd Natschinski

 

Man Of La Mancha                      

1965

Mitch Leigh

 

Sweet Charity                           

1966

Cy Coleman

 

Mame                                   

1966

Jerry Herman

 

Cabaret                                        

1966

John Kander

 Cabaret

Hair                                              

1967

Galt MacDermot

 Good morning starshine  I got Life

 Aquarius

Zorba                                            

1968

John Kander

 

Promises, Promises                    

1968

Burt Bacharach

 

Godspell                                       

1971

Stephen Schwartz

 

Jesus Christ Superstar                 

1971

Andrew Lloyd Webber

 

Helden, Helden                        

1972

Udo Jürgens

 

The Rocky Horror Show              

1973

Richard O'Brien

 

Gigi                               

1973

Frederick Loewe

 

A Chorus Line                              

1975

Marvin Hamlisch

 

Chicago                                    

1975

John Kander

 

Evita                                            

1978

A.L.Webber

 Don't cry for me Argentina

Cats                                           

1981

A.L.Webber

 Memory

Little Shop Of Horrors                   

1982

Alan Menken

 

La Cage Aux Folles                      

1983

Jerry Herman

 

Starlight Express                          

1984

A.L.Webber

 

Les Miserables                           

1985

M.Schönberg

 

The Phantom Of The Opera         

1986

Andrew Lloyd Webber

 Phantom

 

 

In der linken Spalte findet man die englischen Titel der einzelnen Musicals, in der Mitte stehen die Jahreszahlen der Uraufführungen, rechts die Namen der Komponisten.